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Autor: Redakteur | 05.09.2019 um 08:43 Uhr | 0 Kommentare

Der Gröschaz – Der größte Schriftsteller aller Zeiten (2)

Gröschaz. So heißt der Roman von Jakob Stein über den großen Autor Henry Jaeger, eine fast vergessene Frankfurter Berühmtheit mit einzigartiger Lebensgeschichte.

Karl-Heinz Jäger genoss jahrelang Zeiten als wilder und erfolgreicher Verbrecher, Frauenheld und kluger Kopf einer kriminellen Bande, worüber wir im ersten Teil dieser Blogserie berichtet haben. Hier erfahren Sie nun wie es weiter geht:

Teil 2: Aus Jäger wird Jaeger

Jägers Glück hat Mitte der 1950er ein Ende. Er wird verhaftet und ihm werden Zwölf Jahre Zuchthaus aufgebrummt.
Zuchthaus hieß Rede- und Schreibverbot, Schweigehof, Einzelhaft und nicht selten körperliche Gewalt. Dort wird aus Karl-Heinz Jäger Henry Jaeger, ein krimineller Romancier. Er beschafft sich einen Bleistiftstummel und schreibt auf das dünne, braune Toilettenpapier erste Entwürfe und Szenen eines Romans. Die eng beschriebenen Blätter werden hinausschmuggelt. So entsteht heimlich das erste Buch Henry Jaegers: „Die Festung“.
 „Die Festung“ erscheint 1962 und wird ein Riesenerfolg. Kurze Zeit später wird der Roman mit verfilmt. Henry Jaeger darf nun offiziell schreiben. Im Gefängnis beginnt er weitere Romane. 1964 wird Jäger begnadigt und unter Auflagen aus der Haft entlassen.
Erich Maria Remarque lockt ihn nach Ascona, wo der Künstler ab 1968 fest mit seiner Ehefrau wohnt. Die Wandlung zum Schriftsteller ist nun endgültig vollzogen.
Seine Bücher, die sich mit den Randfiguren der Wirtschaftswunderzeit beschäftigen, werden von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert. Seine Frau und nahe Freunde verleihen ihm den Namen „Gröschaz“, der größte Schriftsteller aller Zeiten.
Doch sein Erfolg bleibt ihm nicht dauerhaft erhalten. Sein Lebensstandard lässt die Gesellschaft Kritik aussprechen und sein nächster Roman fällt gänzlich durch. Die Kritik und das Publikum brechen mit ihm.
Was keiner weiß, was niemand wissen durfte: Jaeger erlitt einen Schlaganfall, der ihm komplett die Sprache raubte. Mit unendlicher Mühe erlangt er sein Handwerkszeug zurück. Er diktiert erste kleinere Geschichten, dann Erzählungen, schließlich wieder einen ganzen Roman. Die Kritik schweigt, übergeht ihn, erkennt seine Leistung nicht an.
Henry Jaeger ist gekränkt, er trinkt noch mehr als zuvor, wird aggressiv und handgreiflich. Die Ehe zerbricht und seine Lebensumstände verschlechtern sich von Jahr zu Jahr.
In einer Art später Rückbesinnung schreibt er über die düsteren Lebensperspektiven der Kohlearbeiter im Ruhrgebiet. Ein letztes Mal schimmert ein Abglanz des einstigen Erfolges auf. Das Buch wird verfilmt. Doch es ist zu spät.
Am Ende lebt er schwer krank und völlig mittellos in einem Hospiz in Locarno und stirbt am 7. Februar 2000. Die Gemeinde Ascona erweist ihm die letzte Ehre und stiftet ihm ein Grab auf dem Friedhof und einen Eintrag auf der dortigen Gedenktafel.

Das Leben von Henry Jäger war folglich gleichermaßen wild, erfolgreich und zerrüttet. Seine Geschichten und seine Berühmtheit gerieten in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit. Jakob Stein schafft es mit seinem Roman Gröschaz, die Geschichte wieder zum Leben zu erwecken.

Mehr über den Autor dieser Biografie erfahren Sie nächste Woche im dritten Teil der Blogreihe zum Gröschaz.

 Tags: Bücher, Frankfurt

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